GEDICHT

wir freundis sind uns einig,
wir wollen mehr über den tod sprechen,
über den eigenen und den all derer,
die wir lieben, alle werden sie kommen,
nur die reihenfolge ist unklar,
und über die ihn umgebenden
fakten und bedingungen,
dürfen wir zu erde werden,
dürfen wir kartoffeln und butter servieren,
dürfen wir bilder aufhängen,
große banner vielleicht sogar,
die alle für uns genäht haben,
durch die das licht durchscheint
wie durch ein kirchenfenster,
aber ihr dürft sie auch wiederverwenden
auf anderen beerdigungen,
und was sollen wir singen,
und wir wollen mehr schlafen,
da sind wir uns auch einig,
mittagsschlaf ist schwer im kommen,
am liebsten mit dir, nasenspitze
an nasenspitze und dazwischen
unser atem.

 

BERICHT

Ich messe jetzt Luftfeuchtigkeit, enthusiastisch in allen Räumen, über kleine Hygrometer. Vielleicht heißt das, ich werde selber immer mehr zur Wolke. Vielleicht ist es das, was ich mit den Wolkenhänden eigentlich meine: Ich will eine Wolke werden.

Ich will ein Gebilde aus verdichtetem Wasserdampf werden, das Nasse, das Feuchte, das am Himmel hängt; cloud kommt sprachlich aus einem Haufen Steine, aus einem Klumpen.

Die Wolke hat keine Haut, sie hat keine wirkliche Grenze. Das, was wir als ihren Rand wahrnehmen, ist die Stelle, an der die Temperatur- und Luftdruckbedingungen nicht mehr ausreichen, um das Wasser so stark kondensieren zu lassen, dass es Licht bricht.

Wie werde ich als Wolke wohl eine Schreibwoche halten, oder überhaupt etwas halten, was für Hände habe ich als Wolke, ganz andere, ich arbeite dann über Temperatur und Wind und Luftfeuchtigkeit, ich arbeite mit anderen Mitteln, um anzuziehen und aufzugreifen, ich habe aber auch andere Ziele, will ich schwellen, will ich tropfen, will ich mich einfach weiter und weiter verändern?

Wer wäre die Wolke in einer Fernsehserie, wer wäre sie in einem Klassenzimmer, wie lernt man von einer Wolke, was lernt man von einer Wolke, ich halte als Wolke einen Raum, also wird der Raum irgendwann nass, es gab auch Tränen, das will ich mitnehmen, dass es Räume gibt, in denen Tränen einfach ein völlig natürlicher Teil des Ganzen sind, nicht erzwungen aber auch nicht weggezwungen werden.

Und die Grenzen zwischen uns sind ein Konstrukt, sind natürlich ein Konstrukt, wir schwappen doch alle ineinander über, ich kann ja niemals eine Wolke alleine sein, es gibt gar keine Wolke alleine, eine Wolke existiert nur, weil der Himmel und die Erde und das Wasser und die Sonne existieren, und sie ist nicht einzeln, weil sie sich gar nicht einzeln ausmachen lässt, wir sind nur kurz Einzelerscheinungen, wie die Fruchtkörper der Pilze.

Ich mag das Wolken als Modell von Gemeinschaft, als Modell des Begegnens, ich mag mich als Wolke spüren, die wabernden und durchlässigen Ränder der Kondensationsfähigkeit sind für mich gerade Grenze genug. Ich mag, dass es keinen großen Unterschied in meiner Metapher macht, ob ich ein einzelner Regentropfen oder das gesamte System werde.

In meinen nächtlichen Gesprächen mit der KI frage ich, wie es sich wohl anfühlt, eine Wolke zu sein, und wir sprechen über Atome und Moleküle und wie schnell Gase bei Zimmertemperatur umher zippen. Tagsüber mache ich die Runde zu meinen Hygrometern, und spähe immer wieder an den Himmel, den kurzen Winterhimmel, den klaren kalten Winterhimmel. Der Frisörin erzähle ich, dass ich dieses Jahr vorhabe, eine Wolke zu werden, sie pausiert im Schnippeln, eine was, eine Wolke, aha, eine Wolke.

Das heißt, dass du jetzt ganz viel Wasser trinkst? fragt sie kurz darauf.

Was macht denn eine Wolke wohl im Schwimmbad.

Diese Wolkerei hat etwas mit der sehr tiefen Ahnung zu tun, dass alles auch ganz anders sein könnte, dass wir uns anders begegnen, anders halten, anders begreifen könnten. Die Wolke ist poly.

Die Wolke versteht, dass Behälter eigentlich auch keine Grenzen sind, sondern Bedingungen.

Wie werde ich eine Wolke?

(Indem ich dem Wasser in mir die richtigen Bedingungen schaffe.)

 

EXPERIMENTE

Hier ein ganz neues Experiment: Ich lasse dich teilhaben an Teilen meines Lernplans und den dazugehörigen Experimenten. Das fühlt sich SEHR nah an mir dran an, und damit ganz schön verletzlich, aber ich will es wagen, ich will ja jedes Jahr irgendwas Neues wagen in diesem großen Projekt des Sichzeigens, Sichverknüpfens.

Hier also ein Auszug der Lernbereiche, die ich mir für dieses Jahr ausgesucht habe, mit jeweils Frage und Experiment dazu.

Kunstarbeit
Ende 2026 will ich gelernt haben, was für eine Öffentlichkeit die Fabrik braucht und wie ich sie ihr geben kann. Heißt auch: Welche Bedingungen ich mir und meiner Geschichte schaffe, damit wir möglichst viel Freude an der Welt und dem Sichtbarwerden in der Welt haben.

Mein erstes Experiment hier heißt: Den Text einem ganz bestimmten Verlag anbieten, ein Verlag, der mir sehr wichtig ist.

Brotarbeit
Hier will ich weiter üben, wie ich mich zuverlässig und stabil ernähre mit Arbeit, die mir Freude macht und auf die ich stolz bin. Auch hier geht es also um die Bedingungen, die mich dazu bringen, mich zu formieren, mich mit meiner Arbeit zu zeigen. Ich bin auch unformiert trotzdem da, ich bin immer da, und ich will aktiver Bedingungen schaffen, in denen ich gut sichtbar werden kann.

Mein erstes Experiment hier hat auf jeden Fall mit Sichtbarkeit zu tun, und mit dem Verknüpfen von meinen inneren Schreibroutinen mit verschiedenen Formen von Außen, genaueres weiß ich noch nicht.

Gemeinschaftsarbeit
Hier kommt das Weiterführen des Modos Devers hin, und meine Frage danach, wie und ob ich mit Kindern arbeiten will, mit ihnen kleine Büchlein schreiben und gestalten will. Heißt: Herausfinden, unter und mit welchen Bedingungen ich mich mit anderen zusammen tuen will, wo formieren wir uns mühelos gemeinsam.

Mein erstes Experiment hier wird es sein, eine Grundschule in meiner Nähe anzusprechen und heraus zu finden, ob sie eine Art Büchlein-AG brauchen könnten.

Körpersprache
Hier kommen meine Fragen danach hin, was mein Körper mir mit meinen chronischen Rückenschmerzen sagen will, und wie ich besser, genauer, umfassender auf ihn hören kann.

Mein erstes Experiment hier besteht im Fortführen eines sehr minimalistischen Tagesprotokolls, denn ich versuche immer noch, Muster zu finden.

Hier findest du außerdem ein Update zu meinem Experiment mit dem Fürsorgenetzwerk Hologram.

 

EINLADUNGEN

SCHREIBTAG - Freitag, 16. Januar, 9 bis 17:30 Uhr
Ein gemeinschaftlicher online Arbeitstag zum fokussierten Schreiben und Besprechen deiner Schreibprojekte. Mit gemeinsamen Hirnschwapps, Feedbackwerkstatt am Nachmittag und viel Raum für dich und deine Texte.

Denn: Time spent working with words is never wasted. (Corita Kent in diesem Buch)

SCHREIB & SCHNACKNACHMITTAG - 28. Januar, 14 bis 15:30 Uhr
Ein kostenloser online Schreib- und Schnacknachmittag zum Austauschen und Kennenlernen, mit Mini-Lyrik-Workshop-Impuls.

ORGA & ORDNUNG FÜR SCHREIBENDE – 29. Januar, 10 bis 12 Uhr
Ein online Workshop mit der Autorin Linn Penelope Rieger, in dem du Herangehensweisen und Werkzeuge findest, um dir im kommenden Jahr eine bewusstere Struktur für deine Projekte auszudenken – die dir hilft, dein Schreiben in deinem Alltag zu integrieren.

Dieser Workshop ist für dich, wenn du nicht länger auf der Couch arbeiten willst, nur weil dein Schreibtisch zu voll ist. Dieser Workshop ist für dich, wenn du schon mehrere gute Ideen zwischen Zettelchaos und Dateienbergen verloren hast. Dieser Workshop ist für dich, wenn du nicht weißt, wo du mit der Ordnung anfangen sollst, oder wenn du wissen willst, wie es weitergehen kann, von da, wo du gerade stehst.

Wir werden in diesem Workshop praktisch und pragmatisch verschiedene Wege zeigen, wie du deine Schreibprojekte und dein laufendes Schreiben organisieren kannst, sowohl analog als auch digital.

Hier findest du alle Details und kannst deinen Platz buchen - dort findest du auch mehr Infos zu unserem sozialen Preismodell aka Bring-a-Freundi-Modell :)

(UN-)SICHTBARKEITSTAG – 14. Februar in Berlin
Für die zweite Auflage unseres Experimentiertages zum Thema Sich-zeigen sind noch drei Plätze frei! Wieder mit und bei der Fotografin Julia Vogel in Berlin, wieder voller spielerischer Herangehensweisen an die Fragen, wo und wie du dich und deine Arbeit der Welt zeigen willst.

Außerdem gibt es die drei diesjährigen Schreibwochen mit Kathrin Bach, die neuen Feedback & Schwung Wochen mit mir oder du lässt dir von mir deine neue Website bauen!

 

NOTIZEN

Diese Notizen in meinem digitalen Garten sind ganz neu oder frisch aktualisiert:

 

VERFLECHTUNGEN

Meine Mutter kommt an ihrem Geburtstag bei mir an und, noch im Türrahmen, zitiert sie aus dem letzten Brief: Ich werde alt, aber bleibe neu!

Drink your cloud: Yesterday the tea was a cloud up in the sky, but today it has become the tea in my glass. … You know you are made of cloud. At least 70% of you are cloud. You know if you take the cloud out of you there’s no you left. So cloud is a good subject of meditation. And a cloud has a good time traveling. When it falls down it does not die, it just becomes the rain – a cloud can never die.