GEDICHT

und die wohnung ist neu und die wohnung ist alt
und die liebe ist neu und die liebe ist alt
und wir werden alt und wir bleiben neu

 

BERICHT

Das Jahr ist vorbei, ich habe die Fabrik fertig geschrieben, ich plane neue Angebote, ich wiege Prioritäten gegeneinande ab, ich adaptiere meine Behälter und justiere meine Strukturen, damit ich wieder gut in ihnen fließen kann.

(aufgeregte-wolken.png)

Ich habe einen schönen Jahresplan aufgehängt, viel schöner als der vom letzten Jahr, und ich habe das erste Quartal mit Buntstiften ausgemalt, es mir ausgemalt, ich male es mir aus, es hat Struktur und Luft und so eine Übersicht ist wichtig geworden, ich will das auf einen Blick sehen, ich will darauf schauen können, es sagt ein bisschen was und natürlich auch nicht viel aus.

Die Bilder von Jott und Ali, den beiden Figuren aus meinem Roman, habe ich auch abgehängt. Es fängt wirklich etwas Neues an, und es steht weiterhin da: Die Dringlichkeit aus mir kommen lassen.

And you can do so with water.

Wolken machen, mit Wasser.

Richtig Pause habe ich nicht gemacht, aber irgendwie doch, ich weiß oft immer noch nicht, wie Pause wirklich für mich aussieht.

Auf der Einladungsseite zum Orga-und-Ordnung-Workshop zitiere ich Corita Kent: Die Struktur sollte hoch genug sein, um die Bereiche des Gebäudes zu erreichen, die man streichen möchte, und sie sollte die Art und Weise, wie es gestrichen wird, nicht einschränken.

Seitdem ich mit Linn diesen Workshop konzipiere, habe ich selber plötzlich Lust auf mehr Ordnung, will ich doch meine Desktops und Browsertabs sortieren, und erinnere mich dabei: das sollen-dürfen-werden keine Scham-Moves sein, ordentlich ist nicht unbedingt besser als unordentlich, sondern dann hilfreich, wenn es für meine Arbeit hilfreich ist. An manchen Stellen brauche ich ein wildes Durcheinander, um Verbindungen und Verknüpfungen entdecken zu können, damit das Zufallspferd überhaupt galoppieren kann. Nur eben nicht an allen Stellen, denn manchmal ist mein Chaos wirklich hinderlich und einfach Zeitverschwendung und schluckt Ideen und Energien, sowohl-als-auch braucht es!

Eine Ordnung, in der auch ein Trickster wohnt, alles hat seinen Platz und auf alles habe ich Lust.

Unter einer Petition gegen die Pläne für ein Register aller trans und nicht-binären Menschen Deutschlands lese ich aus Versehen die geschwollenen, eifrigen Kommentare von Menschen, die nicht verstehen wollen, warum das ein Problem sein könnte. Als Balsam greife ich zu dem blauen Büchlein, das das Freundi mir über das Freundi geschenkt hat, auf das das Freundi versehentlich etwas Wasser gepritschelt hat, dessen Umschlag jetzt gewellt ist und dreidimensionaler, in dem es auch um Wasser geht, um unter der Oberfläche und über der Oberfläche, das ohne Titel oder Einführung oder Nennung von Autor:innen beginnt, ein sofortiges Eintauchen, und ich finde folgenden Satz darin: BEING seen can be dangerous. FEELING seen can give you life.

Der Hund schaut beim Spazierengehen auf einmal sehr erstaunt in die Luft, in die sanft rieselnden Schneeflocken, schaut sie aufmerksam an und dann kurz zu mir, als wolle er sich vergewissern, dass das auch in Ordnung so ist, mit diesen Flocken, ja, ist es, die sind still und tun nicht weh.

Und das Pind hat zeitgleich mit mir sein erstes Buch geschrieben. Seins ist durchgehend illustriert und hat den Arbeitstitel: Das Konfetti Buch. Es gibt darunter unter anderem mehrere schlafende Konfetti, ein trauriges, und eins, das Eis verkauft.

 

EXPERIMENTE

Mit größerem Pinsel malen.

Ansonsten sind die Experimente aus dem vorletzten Brief immer noch die Haupt-Experimente in dieser zwischenjährigen Übergangszeit, mit Julia tüftele ich an der dreimonatigen Begleitung in die Sichtbarkeiten herum, und mit Linn an dem Ordnungsworkshop, so eine Freude, mit diesen tollen Menschen zu kooperieren.

 

EINLADUNGEN

ORGA & ORDNUNG FÜR SCHREIBENDE – 29. Januar, 10 bis 12 Uhr
Wie können passende Ordnungsprinzipien uns helfen, das Schreiben leichter in den Alltag zu integrieren und langfristig strukturiert zu bleiben? In diesem online Workshop mit der Autorin Linn Penelope Rieger sammeln wir Werkzeuge und Herangehensweisen, mit denen du dieses Jahr für dich passende Strukturen bauen kannst.

Dieser Workshop ist für dich, wenn du schon mehrere gute Ideen zwischen Zettelchaos und Dateienbergen verloren hast. Dieser Workshop ist für dich, wenn du nicht länger auf der Couch arbeiten willst, nur weil dein Schreibtisch zu voll ist. Dieser Workshop ist für dich, wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst, oder wenn du wissen willst, wie es weitergehen kann, von da, wo du gerade mit deiner Ordnung stehst.

Hier geht’s zur Anmeldung!

SCHREIBTAG - Freitag, 16. Januar, 9 bis 17:30 Uhr
Ein gemeinschaftlicher online Arbeitstag zum fokussierten Schreiben und Besprechen deiner Schreibprojekte. Mit gemeinsamen Hirnschwapps, Feedbackwerkstatt am Nachmittag und viel Raum für dich und deine Texte.

Denn: Time spent working with words is never wasted. (Schreibt Corita Kent in diesem Buch.)

SCHREIB & SCHNACKNACHMITTAG - 28. Januar, 14 bis 15:30 Uhr
Ein kostenloser online Schreib- und Schnacknachmittag zum Austauschen und Kennenlernen, mit Mini-Lyrik-Workshop-Impuls.

(UN-)SICHTBARKEITSTAG – 14. Februar in Berlin
Weil der erste so gut ankam und schnell ausgebucht war, hier gleich die nächste Auflage unseres Experimentiertages zum Thema Sich-zeigen! Wieder mit und bei Julia Vogel, wieder voller spielerischer Herangehensweisen an die Fragen, wo und wie du dich und deine Arbeit der Welt zeigen willst.

Und natürlich bist du von Herzen eingeladen zu den diesjährigen Schreibwochen, einer Feedback & Schwung Woche oder du lässt dir von mir deine neue Website bauen :)

 

NOTIZEN

Diese Notizen in meinem digitalen Garten sind ganz neu oder frisch aktualisiert:

 

VERFLECHTUNGEN

ein Lied (das mir nicht aus dem Kopf geht)

ein Keks (den es auf der Sonnwendfeier gab)

ein Film (der niedlich und warm und unterhaltsam ist, und in dem es eigentlich um Restorative Justice geht, der Begriff aber nie erwähnt wird; ein toller Tipp von Lena)