Darf man Kindern große Veränderungen zumuten?

Ich habe keine eigenen biologischen Kinder, aber als professionelles Onte Alles habe ich natürlich Meinungen zu Kinderfragen! Immer wieder fällt mir auf, dass viele Eltern von kleineren Kindern (zumindest in Deutschland) die Vorstellung pflegen, dass sie, sobald die Kinder irgendwo mit der Schule begonnen haben, für die nächsten 12 Jahre (weil das Kind soll ja schon aufs Gymmi) an genau diesem Ort, in genau dieser Nachbarschaft, bleiben müssen. Weil ein Schulwechsel nicht in Frage kommt für ein Kind. Egal was für Veränderungen die Erwachsenen durchmachen (Jobwechsel, Trennungen, neue Beziehungen, neue Traumstädte …), das Wichtigste scheint immer zu sein, dass das Kind an einer Schule bleibt.

Well. Ich habe sieben verschiedene Schulen besucht, acht, wenn man den Wechsel von Grund- auf weiterführende Schule dazu zählt, und ich fand das überhaupt nicht immer lustig in dem Moment, aber es war letztlich okay und hat mir viel über das Lernen und das Leben beigebracht. Ich weiß sehr genau, was eine öffentliche Schule von einer privaten unterscheidet, wie es sich anfühlt, in einem Internat zu leben, was die Schule in den USA anders macht als in Deutschland oder in Frankreich. Ich hatte erzwungenermaßen früh Übung darin, der neue Mensch irgendwo zu sein, und auch darin, der neue Mensch zu sein, der die Sprache noch nicht wirklich spricht, mich also in Gruppen zu orientieren und meine Form der Zugehörigkeit zu finden.

Deshalb habe ich Fragezeichen dieser Vorstellung gegenüber, und verstehe nicht genau, was man damit vermeiden oder verbessern will. Klar gibt es Ausnahmen und Kinder, die mit Veränderungen weniger gut umgehen können, aber ich vermute, dass viele Kinder (vor allem solche, die in ihrer Familie gut gehalten und unterstützt und begleitet werden), sehr viel widerstandsfähiger sind, als ihnen oft zugeschrieben wird, und aus sehr viel mehr Situationen lernen können.


siehe auch Englisch sprechen können


Verlinkt von