GEDICHT es verblasst in mir die irre idee,
ich müsste für alles ein wort finden.
ein wort ist ein griff, und mit griff
kann ich etwas genauer betrachten,
aber irgendwann muss ich es ja
wieder loslassen, keine hände
können alles halten.
die moleküle in bewegung halten,
das der sinn des lebens,
habe ich vor jahren schon
in einer winternacht geträumt;
in der dachkammer, in der früher
mein cousin wohnte, unter seiner
hellblau glitzernden dachschräge.
BERICHTIch habe mich diese Woche viel mit der Logistik hinter diesen Briefen beschäftigt, mit Infrastruktur und Rhythmus.
Ich habe endlich einen wirklich datenschutzsicheren Newsletter-Anbieter mit Sitz in der EU gefunden, mit dem ich gut arbeiten kann; ab heute verschicke ich von dort die Briefe.
Ich habe über den Turnus der Briefe nachgedacht, wie sehr ich die Wöchentlichkeit mag, weil diese Regelmäßigkeit vieles vereinfacht und mein Tun verselbstverständlicht. Aber es überfordert mich natürlich auch manchmal, und dich als Leseri vielleicht ja auch. Das Freundi schlug vor: Du kannst ja auch eine Woche im Monat Pause machen. Ah! Stimmt. Das kann ich machen, eine Jokerwoche einbauen. Dann geht der Rhythmus vermutlich trotzdem nicht verloren, aber alle können mal zwischendurch durchschnaufen.
So probieren wir das also nun aus. Und es wird demnächst die Möglichkeit geben, einfach nur den jeweils ersten Brief des Monats zu erhalten.
Beides fühlt sich frei und leicht an, und immer mehr will ich Entscheidungen so treffen, also dorthin gehen, wo es sich ganz oder vergleichsweise frei und leicht anfühlt. Nicht immer tiefer in den Druck schrauben.
Diese Briefe sind vielleicht Aushänge in meiner inneren Schule.
Diese Briefe bekommen vielleicht noch bemalte Briefumschäge.
Im Traum zeichnete das Freundi den schönsten Briefumschlag, den ich je gesehen habe, also auf einen Briefumschlag zeichnete es ein vierfingriges Muster um die Adresse, das Freundi war sehr begabt. Ich dürfte das kopieren, war ja mein eigener Traum.
EXPERIMENTEEXPERIMENT ZUSAMMENFÜGEN
Seit letzter Woche ist auf meiner alten Website oben ein Banner, der erklärt, dass diese Seite nach und nach archiviert wird. Denn ab jetzt bündele ich wirklich alles hier auf meiner neuen Seite, seit Jahren läuft es darauf hinaus und jetzt ist es so weit. Probleme von Patchworker:innen.
Als nächstes verschmelze ich die Briefe von dort mit diesen Briefen hier, auch das genau genommen bereits seit Jahren vorbereitet. Es ist mir nicht mehr so ein Rätsel, wer ich dann sein werde, wenn ich nur eine Website und nur einen Newsletter habe.
Ich bin in einer Kraftphase, in einer Egalphase, es ist erstaunlich, wie mühelos ich mir auf einmal vorstellen kann, die Website-Angebote mit auf mein Instagram zu packen, wo auch diejenigen es sehen können, die hauptberuflich schreiben und Vollzeitkunsti sind, es ist schön, wie sehr mich keine Szene mehr im Griff hat, plötzlich ist es wahr, dass ich keine Form mehr erfüllen, sondern mich und die anderen gut nähren will, das ist die Hauptsache geworden. Da ist auch noch Spannung, die ich raus spülen kann aus mir, die in Resten übrig ist, aber im Kern: sind mir die Hierarchien und Ordnungen da draußen einfach schnuppe. Ich sorge für mich, ich mache das, indem ich Websites für andere baue, daran habe ich Spaß und das kann ich gut, und ich sorge für mich, indem ich die Geschichten und Gedichte schreibe, die aus mir heraus fließen. Punkt. Das können mir alle glauben oder auch nicht glauben, das ist mir egal. Ich will in vielerlei Konstellationen gemeinsam forschen und basteln und Spaß haben und veröffentlichen, also Raum einnehmen, und ich weiß, dass es darauf ankommt, auch jetzt, gerade jetzt. So geh ich in den Winter. / Und so vergeh ich nicht.
EINLADUNGENSCHREIB & SCHNACKNACHMITTAG - Mittwoch, 19. Oktober, 14 bis 15:30 Uhr
Ein kostenloser online Schreib- und Schnacknachmittag zum Austauschen und Kennenlernen, mit Mini-Lyrik-Workshop-Impuls.(Achtung, eine Woche früher als sonst!)
SCHREIBTAG - Freitag, 14. November, 9 bis 17:30 Uhr
Ein gemeinschaftlicher online Arbeitstag zum fokussierten Schreiben und Besprechen deiner Schreibprojekte.
SCHREIBWOCHE - 24. bis 29. November
Eine Woche voller Schreibtage, plus mehr Austausch, ein Workshop zum persönlichen Schreiben, gemeinsames Schreiben von Lyrik und handwerkliche Impulse, hier mehr dazu.
LESUNG - Freitag, 5. Dezember, 20 Uhr - Berlin
In der Lettrétage lese ich mit Ulrike Feibig, Martina Lisa, Andra Schwarz, Sibylla Vričić Hausmann und Janin Wölke aus unseren neuen Texten, gehalten von der schönen Klammer We have to make new love.
(UN-)SICHTBARKEITSTAG - Samstag, 6. Dezember, 10 bis 16 Uhr - Berlin Ein Tag zur kreativen Auseinandersetzung mit dem Sich-Zeigen und der manchmaligen Mühsamkeit dieses Unterfangens; gemeinsam mit der Fotografin Julia Vogel.
FABRIK (Ein neu entstandener Schnipsel aus meinem Text mit dem Arbeitstitel „Die Fabrik“)
Wann genau hat das eigentlich angefangen, dass Ali alleine orakelt, und Jott irgendwo anders ist, etwas fertig macht oder vorbereitet, sich vielleicht gar nicht mehr interessiert für den Hergang zum Motiv, sich vielleicht gar nicht mehr für das Motiv interessiert, das Ali sieht oder vorgibt zu sehen, vielleicht setzt Jott sowieso nur noch das um, was sie gerade vor sich sieht, was ihre Idee ist, sind sie noch ein Team? Ali weiß es nicht, und Jott denkt nicht darüber nach.
VERFLECHTUNGENJa, welche Kunst habe ich denn gelernt? Zeichnen? Schreiben? Goldschmieden? Websites machen? Löffel schnitzen? Meine Freundis zum Lachen bringen? – Vorsichtshalber kehre ich zu allem immer wieder zurück, und suche überall meine Ruhe. – ergänzte ich in den anderen Briefen den Gerüstbauer-Brief von letzter Woche, ein weiteres Signal dafür, dass und wie die beiden Briefe demnächst einer werden, und ich freue mich so darauf.
„So geh ich in den Winter. / Und so vergeh ich nicht.“ sind die letzten Zeilen des Gedichts Vor einem Winter von Eva Strittmatter, dessen erste Zeile „Ich mach ein Lied aus Stille“ Anne Munka als Titel für eine Schreib- und Gesangsworkshopreihe vorgeschlagen hatte, die wir diesen Herbst für Senior:innen gehalten haben.