GEDICHT
sich tarnen wie die mutter
die sich mehrfach in ihre bilder hineinmalt
damit sie nicht so schnell gefunden wird
mich tarnen wie mich mehrfach
auf meine eigene haut zeichnen
damit es mich schon gab vor den erwartungen
sich tarnen wie die drag queen
sich lauter lauter lauter dreht
damit sie in ruhe tanzen kann
mich tarnen wie einen text
lauter lauter lauter schreiben
damit ich mein fühlen beschützen kann
BERICHT
Im Zuge der Vorbereitungen für die Forschungsgruppe Sichtbarkeit sammle ich gerade meine eigenen Fäden, Texte, Schnipsel ein, die sich mit (Un-)Sichtbarkeiten beschäftigen.
Zum Beispiel habe ich vor genau zwei Jahren einen wilden Text in meinem erfundenen Schreibstil Dazzle Drag geschrieben. Er heißt „Und, wollen Sie meine Seele knusprig rösten?“ und es geht darin um Vororte, Wildtiere, Drag, um das Lügen und das Jagen und das Altern, um die letzten Frikadellen im Kühlschrank und vor allem um Un/Sichtbarkeit.
Ich wollte damals aus dem Text noch eine Performance erarbeiten, weil er sich so sehr angefühlt hat wie ein Text, der gesprochen, also der gehört werden muss.
Das ist mir bisher noch nicht gelungen, und ich fremdele inzwischen ein bisschen mit dem Text, und gleichzeitig ist er mir so nah weiterhin mit seinen Themen vom Rand her, und vor allem macht er mir Lust darauf, zu schauen, was da noch alles in meinen Ordnern steckt, was ich noch alles schon mal in anderer Form gedacht habe, was noch alles vielleicht auf eine Umarbeitung wartet.
Ich will mich weiter verändern lassen.
Ich wünsche mir Menschen, die sich verändern und sich verändern lassen und andere verändern und sich mit ihnen und in ihre Richtungen verändern, nicht gegen und nicht weg, sondern hinein, hinein an den Rand, hinein in die verrückten Fransen, in das Herz der Welt, das in keiner Mitte liegt.
Ich will mich mit euch zusammen hinein an den Rand bewegen, ich will mit euch zusammen die Kreuzungen ausloten, ich will, dass wir gemeinsam unsere weirde umstülpende Tricksterarbeit weitermachen, dass wir zusammenkleben, was bisher noch nicht zusammen gehört hat, dass wir schreiben und anpflanzen und nähen und Betriebssysteme basteln und sprechen und Musik machen und miteinander schweigen, dass wir uns zeigen und dass wir uns tarnen usw.
Ich will, dass wir ahnen, dass wir einen Fehler machen und es trotzdem tun. Ich will, dass wir uns Cartoonfiguren als Spirit Animals wählen. Ich will, dass wir uns nichts schulden und uns trotzdem einander zeigen, so zusammengeflickt und verfranst, wie es in uns gerade ist.
EXPERIMENTE
Updates aus den Experimenten zu meinen Lernbereichen:
Kunstarbeit
Alte Texte ausgekramt. Auf der Mundharmonika improvisiert, mir jeden Abend ein leises Schlaflied gespielt.
Brotarbeit
Viel Technikgetüftel für das neue Forum, viel Freude am Austausch mit den zukünftigen Mitforschenden, viel Vorbereitung für Workshops.
EINLADUNGEN
SCHREIBI-TREFF – 25. März, 14 bis 15:30 Uhr
Moooorgen! Unser kostenloses monatliches online Treffen zum Austauschen mit anderen Schreibenden und Selbständigen; mit Mini-Lyrik-Workshop-Impuls von Kathrin und mir zu Beginn.
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FORSCHUNGSGRUPPE SICHTBARKEIT – April bis Juni
Im Kompost vom Januar 2024 finde ich diesen Schnipsel:
Was sind die Fragen, die ich mir eigentlich gern stellen will, über die ich finde, dass ich nachdenken könnte? Big picture Fragen, aber konkret auf meine Felder bezogen, auch auf die Arbeitsfelder. Anders: Welche Fragen würde ich mir stellen, wenn ich meine Selbständigkeit als ein Forschungsprojekt verstehen würde?
Kurz darauf schreibt mir Guía Carmona über ihre Teilnahme an der Forschungsgruppe:
„Ich bin froh, dass ihr Worte und Zugang zu diesem Thema gebt, das mir selber in meinen Gedanken voher eher einseitig oder zu flach vorgekommen ist. Die Fragen ändern sich: Statt “Instagram oder Substack? Spanisch oder Deutsch?” kommen: “Auf was habe ich Lust? Wo sind meine Grenzen? Was will ich oder was will ich nicht zeigen? Was macht Spaß?” Und ich hoffe auf viele mehr :)“
Jaaa! Genau so!!
Und ansonsten:
Die Forschungsgruppe Sichtbarkeit ist ein 3-Monatsprojekt, das komplett online und in vielen Teilen asynchron stattfindet (= du musst nicht zu bestimmten Zeiten live dabei sein, kannst es aber).
Wir forschen mit Hilfe von Forschungsfragen, Text-Impulsen, Workshops, Austausch, Abenteuerspaziergängen, Selfie-Übungen, Eintauchwochen etc etc an unserer eigenen Sichtbarkeit. Klopfen ab, wie wir für uns selber sichtbar sind, wo wir uns wie zeigen wollen und wie das mit Freude passieren kann.
Die Gruppe besteht aus maximal 24 Menschen, sieben Plätze sind im Moment noch frei, es gibt ein soziales Preismodell.
Hier findest du alle weiteren Details zur Forschungsgruppe Sichtbarkeit. Und wir können sehr gerne dazu telefonieren, falls dir das bei deiner Entscheidung hilft! Antworte dazu einfach kurz auf diese Mail.
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SCHREIBTAG – 24. April, 9 bis 17:30 Uhr
Ein gemeinschaftlicher online Arbeitstag zum fokussierten Schreiben und Besprechen unserer Schreibprojekte, zusammen mit Kathrin Bach. Mit gemeinsamen Hirnschwapps, Feedbackwerkstatt am Nachmittag und viel Raum für dich und deine Texte.
FABRIKNOTIZEN
Keine ganz neuen Notizen im digitalen Garten, nur kleine Änderungen. Dafür ist mein Text aus dem Literaturboten nun online: Und, wollen Sie meine Seele knusprig rösten?
VERFLECHTUNGEN
Die Mutter, die sich im Gedicht oben in ihre Bilder hinein malt, ist die Mumin-Mama und kam zu mir über Ka, und ist eines meiner Beispiele für nützliche Kunst und eines meiner Beispiele für Dazzle Camouflage.
Der Rest des Gedichts ist vor allem aus meinen Notizen zu dem wiedergefundenen Dazzle Drag Text entstanden.