GEDICHT

a cloud
definitely isn’t
„the stable one“

 

BERICHT

Im Zug auf dem Weg nach Berlin sitzt neben mir eine Person, die eine Tupperdose aus ihrem Rucksack zieht, das Tupper ist gefüllt mit Schmuck, sie wühlt ein bisschen darin rum und entscheidet sich für lange, hängende, goldene Ohrringe. Die stehen dir richtig gut, sage ich, oh, das freut mich, sagt sie und erzählt, dass sie zu spät los kam und sich deshalb noch nicht hatte entscheiden können, welche Ohrringe.

Ich trage nicht mal Nagellack, ich fühle mich etwas nackt.

In Neukölln entdecke ich hinter der Windschutzscheibe eines geparkten Lieferwagens zwei riesige Glupschaugen, ich frage die Person, die den Wagen fährt, ob ich ihre Augen fotografieren könne, sie ist kurz verwirrt, also die vorne im Wagen, sie lacht und sagt ja.

[ein Bild der Augen hinter der Windschutzscheibe, mit viel gespiegelten Baumästen davor]

Ich winke ihr zum Abschied, sie winkt mich nochmal zu sich und drückt mir etwas in die Hand: eine große weiße Plastikfigur, eine Art Wolke, oder das Michelin-Männchen, denke ich. Beim Mittagessen findet Kathrin heraus, dass es sich um den Marshmallow Man aus Ghostbusters handelt. Julia lässt den Mützentext übersetzen und es kommt heraus: BLEIB FLAUSCHIG.

Am Morgen unseres Workshops notiere ich: wolke werden, auch als sichtbarkeitsmodell; so viele modelle und ansätze zur auswahl, ich werde improvisieren können heute, trotz müdigkeit.

Am Morgen unseres Workshops trägt Julia einen Pullover, auf dem steht: STAY.

Der Marshmallow Man steht auf dem Klavier und auf seiner Mütze steht: STAY PUFT.

Der Mensch, dem ich dieses Mal mein Handy in die Hand drücke, damit er ein Bild von mir macht, nimmt die Aufgabe ernst und entscheidet sich für eine schräge Bildkomposition.

Auf dem Bild ist im Hintergrund ein Firmenschild: Made of Air.

[das schräge Bild von mir]

Julia kauft mittags Mimosen und stellt sie uns in die Mitte, diese vanilleduftenden gelben Rührmichnichtans.

BLEIB SCHATTIG

BLEIB FUNNY

BLEIB SCHRÄG

BLEIB FLAUSCHIG

schreibe ich in eins meiner Zines am Nachmittag.

[ein Bild meines Zines mit dem Marshmallow Man vorne drauf in schwarzweiß ausgedruckt]

Vielleicht will ich Nützlichkeit so angehen wie eine Wolke: einfach manchmal regnen, und manchmal kommt der Regen gelegen und manchmal nicht, und mal ist es zu viel und mal ist es zu wenig, und mal ist am Morgen überraschend Schnee überall und mal ist er getaut und tropft, und mal sind wir ein einziger Nebel und mal ein hübscher Tupfer im Blau.

Im Traum im überfüllten Zug, die zwei neben mir sangen etwas, also sang ich auch einfach den Text, den ich lesen wollte, laut vor.

 

EXPERIMENTE

Updates aus den Experimenten zu meinen Lernbereichen:

Kunstarbeit
Ich habe das Exposé (fast) fertig geschrieben, und mir dazu notiert: Wenn ich wieder einen schwierigen Text für irgendwas Öffentliches schreiben sollmusswill, dann schreibe ich ihn zuerst bei mir auf der Website in einer Notiz. Dort spüre ich doch so viel genauer, wie ich klinge, wer ich bin, was ich sagen will, was ich sagen kann. Meine Notizen, meine Website, meine Briefe (die Bühnen, die ich mir selber gebaut habe) halten mich accountable mir selber gegenüber.

Brotarbeit
Ich habe diese Woche mein größtes und persönlichstes Angebot seit Jahren online gestellt (die Forschungsgruppe Sichtbarkeit, mehr dazu weiter unten). Es hat eine ganze Weile gebraucht, bis es sich stimmig angefühlt hat, aber jetzt kann ich dazu einladen – und es ist vor allem eine Einladung, mit mir mitzumachen, ich brauche und suche diesen Rahmen und diese Gemeinschaft genau so wie die anderen Teilnehmenden, auch ich will die Arbeit des Sichtbarmachens meiner Arbeit nicht alleine machen.

 

EINLADUNGEN

SCHREIBI-TREFF – 25. Februar, 14 bis 15:30 Uhr
Unser kostenloses monatliches online Treffen zum Austauschen mit anderen Schreibenden und Selbständigen; mit Mini-Lyrik-Workshop-Impuls von Kathrin und mir zu Beginn.

Hier mehr Infos!

DIE UNGEGLÄTTETE ÜBER MICH SEITE – 26. Februar, 10 bis 12 Uhr
Nächste Woche Donnerstag! Ein online Workshop zusammen mit Julia Vogel

[ein Bild mit der Workshop-Ankündigung und einer Person, die in der Dämmerung einen kleinen Spiegel hält, der den Sichelmond reflektiert]

1946 wurde die Autorin Anaïs Nin nach einer kurzen Autobiografie gefragt, für ein Profil in der Modezeitschrift Harper’s Bazaar. Sie antwortete darauf: „Ich sehe mich selbst und mein Leben jeden Tag anders. … Mein Leben lässt sich nicht erzählen. Ich verändere mich jeden Tag, verändere meine Muster, meine Konzepte, meine Interpretationen. … Es ist unmöglich, mein Porträt zu erstellen, weil ich so beweglich bin. Ich bin nicht fotogen, weil ich so beweglich bin.“

Diese Angst, sich selber zu fest zu schreiben, zu beschreiben, sich selber erzählen zu müssen, sich ein zu kleines Zimmer zu bauen, lähmt aus meiner Sicht viele Über-mich-Seiten.

Und ich fühle es so sehr, ich habe auch eine große Abneigung gegen die Geste: Schau her, so bin ich, ich habe mich verstanden, das macht mich aus! Ich habe mich nicht aus so vielen zu kleinen Identitätsboxen heraus gekämpft, um mich jetzt selber in neue Boxen zu stecken.

Also ändern wir die Aufgabe.

Wir suchen nicht das feste Bild, das als kleine Karikatur von dir auf deiner Über-mich-Seite sitzt.

Stattdessen betrachten wir die Über-mich-Seite als einen Arbeitsplatz, der dich selber interessiert, an dem du selber etwas von dir und über dich lernst, einen Ort, den du von dir aus immer wieder aufrufen willst.

[ein Bild mit dem Text: Was spiegelst du?]

In dem Workshop ist Raum für Reflektion und auch Raum zum Erstellen von ersten neuen Text- und Bildansätzen, die deine Über-mich-Seite für dich selber interessanter machen.

Hier findest du alle Details zu dem Workshop und kannst deinen Platz buchen - dort findest du auch mehr Infos zu unserem sozialen Preismodell aka Bring-a-Freundi-Modell :)

SCHREIBTAG – 13. März, 9 bis 17:30 Uhr
Ein gemeinschaftlicher online Arbeitstag zum fokussierten Schreiben und Besprechen deiner Schreibprojekte, zusammen mit Kathrin Bach. Mit gemeinsamen Hirnschwapps, Feedbackwerkstatt am Nachmittag und viel Raum für dich und deine Texte.

Hier alle weiteren Infos.

FORSCHUNGSGRUPPE SICHTBARKEIT – April bis Juni

Hier mein neues absolutes Herzensprojekt: Ein intensiver, dreimonatiger, begleiteter und co-kreativ erschaffener online Raum, um deine Beziehung zur Sichtbarkeit neu auszurichten.

[ein Bild von mir, verschwommen, im Wäldchen neben einem verwitterten Schild mit der Aufschrift „Versuchsfeld“]

(Dieses Bild hat Julia vor anderthalb Jahren gemacht, und ich hatte die ganze Zeit so eine Ahnung, dass wir dieses seltsame Schild im Wäldchen irgendwann brauchen werden. Here we are! Jetzt ist Versuchsfeldzeit.)

Die Forschungsgruppe ist ein Gesprächs- und Nachspürraum, um zu hinterfragen, welche Rollen du erhalten und/oder entwickelt hast, um in deiner Welt sicher zu sein (ob das nun sichtbar oder unsichtbar sein bedeutete).

Und es ist eine gemeinschaftliche Werkstatt, in der du freiere und passendere Rollen entwickeln und praktisch ausprobieren kannst.

Es gibt darin viel Platz für die innere und die äußere Arbeit, es gibt Unterstützung und Austausch dazu nach Bedarf und es gibt angewandte, konkrete Ideen für deine Umsetzung einer neuen Form von Sichtbarkeit.

Hier findest du alle Details zur Forschungsgruppe Sichtbarkeit.

Außerdem gibt es im April, Juli und November wieder Schreibwochen mit Kathrin und mir, es gibt Feedback & Schwung Wochen mit mir, in denen du zum Beispiel an deiner Website oder deinem Newsletter arbeiten kannst, oder du lässt dir von mir deine neue Website bauen.

 

FABRIKNOTIZEN

Diese Notizen in meinem digitalen Garten sind ganz neu oder frisch aktualisiert:

 

VERFLECHTUNGEN

Das Freundi erzählt uns: Das Wort „Okay“ kommt aus dem Deutschen, als Abkürzung für „Ohne Kommentar“.

Okay okay! Wir sammeln verschiedene Betonungen von „Okay“, die alle etwas ganz anderes meinen, wir können gar nicht aufhören.

Ich erzähle den Freundis: Die Häkchen, die wir setzen, waren ursprünglich Vs für veritas, also wahr. Wir erfreuen uns daran, imaginäre To-Do-Listen mit lauter wahr! wahr! zu versehen, das ist wahr, das ist eine Aufgabe, erfüllt oder nicht. Wikipedia behauptet jetzt allerdings, es stammt eher von vidi, also ich habe gesehen.

Hier noch ein schattiges Lied (bleib schattig).

Und ich höre mit Wolke auf, was ich mit Wolke begonnen habe: Hier eine Wolke, die mir Navina schickte, hier schreibt sie dazu über das Verkleiden, was für mich auch so ein großes Thema ist und in der Forschungsgruppe Sichtbarkeit eine Rolle spielen wird, wie genau, weiß ich noch nicht, aber ich will auf jeden Fall als Wolke gehen.

[das Bild eines Menschen mit Wolkenkostüm, mit tollen langen Regenfäden]