GEDICHT

ich habe appetit auf ruhe
auf nicht mehr alles
können müssen was ich kann

ich werde wieder hungrig werden
den ellbögen folgen auf denen steht
alles sein was ich sein kann

ich bin sporty spice ich bin ein frosch
optisch und vom gefühl her
in guten momenten ein fisch

ich bin sonnenwarm ich habe anteile
ich vergesse nie das mittagessen
ich werde nicht braun

ich lüge wie alle aber meine radtour
hat mir wirklich gut getan und deine brüste
will ich wirklich gern berühren

 

BERICHT

Und wer bist DU? fragt das fremde Kind sehr bewusst gewählt eins von uns dreien. Ja, wer bist du, fragen wir uns danach immer wieder, und was hast du abgelegt und was nimmst du mit. Deine Fingernägel sind auch so klein, sagt das neue Freundi entzückt unter unserer kleinen Eiche, es war sonnig und leicht windig und ich sehr müde, müde von vielem, wollte mich nur noch ablegen, wir legten uns ab.

Was alles in einen Tag hineinpasst. Wie gern ich mit meinem Fahrrad und der S-Bahn verreise. Ich kann mich bewegen, ich kann bewegt werden, ich kann den ganzen Tag draußen sein und auf dem Heimweg in der Bahn lesen und neben mir nickt die Person ein, die mir beim Einsteigen noch so schön zugelächelt hatte, und vom Bahnhof aus radele ich nach Hause und dort sprechen wir über vieles und die Dimensionen, die nicht mehr passen. Es geht immer weiter gerade.

Ich denke vor allem mit anderen zurzeit, im Gespräch, und ich fühle in Bewegung, ich bewege Zustände und Ideen und Gefühle durch mich hindurch, ohne sie alle einzeln schriftlich festzuhalten, was ungewöhnlich ist für mich und ich mag das auch als Modus, ich mag, dass ich verschiedene Modi haben kann.

Ich zog das Kind auf meiner Schwimmboje durch den See, es schwomm mit den Beinen mit und klammerte sich mit den Armen an den neongelben Sack, es war mutig, wir schwammen in tiefes Wasser, ich sein Schleppdelphin, ich konnte seine kribbelige Aufregung spüren und drehte sofort um, als es sagte, dass wir umkehren sollen, und ich spürte seinen Stolz, als wir wieder in dem Wasser waren, in dem es stehen konnte, nahe der vieltürmigen Burg, die wir gebaut hatten.

Ich lerne, dass Selbstbestimmung nicht immer bedeutet, selbst zu führen.

Hingabe ist eine Handlung, ein aktives fortlaufendes Bejahen dessen, was ist und geschieht.

Und dieser schöne Verlauf aus gesammelten Strandsteinen, von ganz Schwarz über Ziegelrot über Orange über Zartgelb bis hin zu fast durchscheinend Weiß, den wir gemeinsam am Ufer anlegten und dabei beobachteten, wie die Farben sich im Trocknen der Steine veränderten; auch das hat so viel Spaß gemacht, dieses Sammeln und Sortieren, Beschäftigtsein am Ufer – ein durch Kinderbeteiligung legitimiertes Beschäftigtsein am Ufer, so will ich mich eigentlich immer bewegen, in einer solchen freien Interessiertheit und Offenheit.

Ein inneres Wetter der letzten Wochen, das ich festhalten wollte: Bündelung, Auszählung, Weizen von Spreu, Nagellackreste abziehend, Sehnsucht nach der Sehnsucht nach einem Handstand: diese Hände wollen stehen.

 

EXPERIMENTE

Updates aus den Experimenten zu meinen Lernbereichen, also was ich gerade übe:

Kunstarbeit Ich habe die wilde Entscheidung getroffen, das restliche Jahr frei zu gestalten, zu verknüpfen, was ich will, zu lernen, was ich will, Form zu geben, wenn ich es will, ohne dass irgendetwas Bestimmtes entstehen muss.

Brotarbeit Ich beginne, mir selber den weichen Raum zu geben, den ich für andere gut halten kann.

Gemeinschaftsarbeit Ich übe das Denken, Fühlen, Bewegen in Gesprächen mit anderen (anstatt im Notieren für mich alleine). Ich habe laut gebrüllt, als man versuchte, uns zu normieren und zu begrenzen.

Körpersprache Ich habe die wilde Entscheidung getroffen, das restliche Jahr meinem Herzklopfen nachzugehen, und immer raus zu gehen, wenn es mich rauszieht, und immer ein Nickerchen zu machen, wenn ich müde bin. Ich habe geübt, mich fallen zu lassen, und es ist mir schön gelungen.

 

EINLADUNGEN

LESUNG – 21. August um 18 Uhr

Als Teil der Summer School in Südtirol lese ich im Schloss Velthurns aus der Fabrik – komm sehr gern dazu, falls du in der Nähe bist!

Hier mehr zur Summer School und der Lesung.

SCHREIBWORKSHOP – 20. September, 12 bis 16 Uhr, Leipzig-Ost

Als Teil des Leipziger OSTlichter Stadtteilfestivals halte ich einen kostenlosen Schreibworkshop namens „Stadtteilträume: Erzähl mir die Utopie in deinem Kopf“ – komm auch hier sehr gern dazu, falls du in der Nähe bist! (Details dazu in Kürze.)

SCHREIBTAG – 21. September, 9 bis 17:30 Uhr
Ein gemeinschaftlicher online Arbeitstag zum fokussierten Schreiben und Besprechen unserer Schreibprojekte, zusammen mit Kathrin Bach. Mit gemeinsamen Hirnschwapps, Feedbackwerkstatt am Nachmittag und viel Raum für dich und deine Texte.

At the very least, always set aside a four-hour period once a month in which to write. This is always possible and will result in one book of poems or prose writing for each year. Then we begin to know something. – Bernadette Mayer

Hier alle weiteren Infos.

SCHREIBI-TREFF – 30. September, 14 bis 15:30 Uhr
Unser kostenloses monatliches online Treffen zum Austauschen mit anderen Schreibenden und Selbständigen; mit Mini-Lyrik-Workshop-Impuls von Kathrin und mir zu Beginn.

(Achtung, im August machen wir Sommerpause!)

Hier mehr Infos.

LESUNG – 8. Oktober, 19 Uhr, Soli Nord Leipzig

Und im Oktober lese ich dann nochmal in Leipzig aus der Fabrik, auch dazu bald mehr!

 

FABRIKNOTIZEN

Keine aktualisierten Notizen im digitalen Garten

 

VERFLECHTUNGEN

Das Hingabe-Zitat ist von Eva Hanson, das Zitat mit den Händen, die stehen wollen, vom Pind.

&

Ich habe seit Kurzem einen Pocketbook E-Reader und könnte seliger nicht sein damit; ich weiß gar nicht, warum ich so lange gebraucht habe, um zu verstehen, wie toll das ist, auf diesem leichten, flachen Gerät SO ENDLOS viele Bücher dabei zu haben, was mir ein unglaublich schönes Gefühl macht, dieses Wissen um jederzeit vorhandenen üppigen Lesestoff.

Wir dichten gemeinsam beim Abendbrot:

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