GEDICHT
ich war schwimmen
in der morgensonne
ich habe mich gefühlt
ich habe meine nägel unter wasser
im licht glitzern sehen
ich war und bin voller musik
ich leuchte selber
ich habe bilder von mir geteilt
mit meinen glitzernägeln
die menschen liken mich und meine nägel
ich erfinde mir eine neue jugend
in der ich mir alles erlaube
in der ich von musik umgeben bin
in der ich keinen kuchen esse
der mir nicht schmeckt
in der ich bereits verstehe
dass jedes lied ein gruß ist
jedes meiner gesichter sagt
hier bin ich
ich bin immer noch hier
ich kann schwimmen
ich kann glitzern
ich habe immer noch kraft und
verstecke sie nicht
ich öle meine arme ein
nicht um die falten zu glätten
sondern weil es sich gut anfühlt
und es wird der tag kommen
an dem ich nicht mehr schwimme
und nicht mehr glitzere
und eine andere sprache suche
um zu sagen hier bin ich
immer noch
BERICHT
Die Forschungsgruppe Sichtbarkeit hat begonnen, ganz weich begonnen, wir lernen uns ein bisschen kennen und sammeln unsere Themen und zeichnen Spielfelder und verbringen viel Zeit jeweils in unserem Bau. Von dort legen wir los.
Es ist enger als ich dachte in meinem Bau und er ist woanders als ich dachte.
Denn natürlich musste ich unter den Computer klettern, und natürlich ist da genug Platz für mich für eine Weile und natürlich habe ich mir Essen rein gehamstert und natürlich hab ich es dann doch nicht gebraucht in meinem Bau. Ich liege darin wie auf einem Floß, wie mit einem Grashalm im Mund. Ich bin darin ein sehr lässiges, sehr kindliches Wesen, ein Trickster in Form eines Musikmachenden, einer nichtsprachlich kommentierenden Beobachtung am Rand, oder öfter einer Nichtbeobachtung und Nichtkommentierung.
Was ist Lässigkeit? Ruhe oder Fluchtbereitschaft?
(Ist das die Verletzlichkeit der Pferde, ihr Fluchtinstinkt, dass sie Angst haben vor dem Spielauto, das auf der Brücke umher saust? Oder ist ihre Verletzlichkeit nicht eher ihr Eingehegtwordensein, dass sie diese Brücken überqueren müssen, weil eine Reiterin das will?)
Lässigkeit entsteht aus Sicherheit, oder gefühlter Sicherheit, oder gefakter Sicherheit, oder Desinteresse – ist lässig denn auch mal neugierig? Wenn nicht, will ich denn dann überhaupt lässig sein? Wie geht denn eine neugierige Lässigkeit?
Ich bin viel mit anderen Menschen zusammen zurzeit, wir kochen, wir essen, wir umarmen uns, wir puzzeln, wir weinen, wir lachen, wir streicheln uns, wir putzen Fenster, wir machen Musik miteinander, wir zeigen uns Orte und Gewohnheiten und lassen einander manchmal ausreden und manchmal nicht.
Kann ich denn noch gut alleine sein? frage ich mich im Zug auf dem Weg zur Wahlfamilie, frage ich mich aufs Handy schielend, bei wem bin ich alles, und will ich das? Sammele ich abends im Bett mit der Mundharmonika meine rundherum verstreuten Teile wieder ein?
Aber ich muss mir auch gar nicht immer sofort kritische Fragen stellen. Ich kann mich auch einfach mal eine Weile machen lassen. Ich kann mir doch vertrauen, ich werde das schon spüren, wenn ich wieder mehr Zeit mit mir alleine brauche, meine persönliche autonome Zone ist in mir und ich weiß doch, worauf ich Hunger habe, und ich weiß doch, dass ich mir keinen Hunger mehr vorschreiben lasse.
EXPERIMENTE
Updates aus den Experimenten zu meinen Lernbereichen:
Kunstarbeit
Mundharmonika! Nagelkunst! Ab und an was schreiben! Es sind relaxte Zeiten an der Kunstfront, viel Tüdeln und Düdeln.
Ah und ich mache mit bei einer Live-Schreibperformance in Dresden mit dem Titel „Verschwinden ist besser als hier“, denn das Sichtbarkeitsthema ist wahrlich überall. Ich bin erst im November dran, Mim hat trotzdem schon Fotos dafür gemacht, auf denen das Verschwinden geprobt wird:

Brotarbeit
Ich bin sehr glücklich darüber, was für eine weichfeste Textur der Raum der Forschungsgruppe bekommen hat, wie autonom die Menschen darin agieren, wie viel Platz sie haben, um sich selber etwas auszudenken. Das ist gerade vor allem meine Utopie, diese völlige Selbstverständlichkeit, mit der wir uns alle selber eigene Fragen, eigene Experimente, eigene Rhythmen ausdenken, und ich mache mit und halte gleichzeitig unseren Behälter, und das ist manchmal verwirrend für mich aber klappt bisher ganz gut.
EINLADUNGEN
SCHREIBTAG – 24. April, 9 bis 17:30 Uhr
Ein gemeinschaftlicher online Arbeitstag zum fokussierten Schreiben und Besprechen unserer Schreibprojekte, zusammen mit Kathrin Bach. Mit gemeinsamen Hirnschwapps, Feedbackwerkstatt am Nachmittag und viel Raum für dich und deine Texte.
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SCHREIBI-TREFF – 29. April, 14 bis 15:30 Uhr
Unser kostenloses monatliches online Treffen zum Austauschen mit anderen Schreibenden und Selbständigen; mit Mini-Lyrik-Workshop-Impuls von Kathrin und mir zu Beginn.
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Die Schreibwoche im April mussten wir leider absagen, weil sich bisher zu wenig Menschen angemeldet haben und ohne eine gewisse Gruppengröße macht dieses Format ja nicht so richtig Sinn. Wir hoffen auf die weiteren Schreibwochen im Juli und November – und Kathrin wird ihren Workshop zum Schreiben mit Erinnerungen trotzdem am 26. April halten!
Ansonsten gibt es laufend die Option auf eine Feedback & Schwung Wochen mit mir, in denen du mit mir an deinen Texten, deiner Website oder deinem Newsletter arbeiten kannst, oder du lässt dir von mir deine neue Website bauen.
FABRIKNOTIZEN
Keine neuen Notizen im digitalen Garten, es gab viel anderes zu versorgen.
VERFLECHTUNGEN
Hier ein Lied zum Tüdeln: der Tüdeldub, eine satirische Version des plattdeutschen Liedes An de Eck steiht’n Jung mit’n Tüdelband, das ich sachgerecht auf dem Weg nach Hamburg gehört habe. Das uuuuuuuuh, das in dieser Version vorkommt, habe ich seitdem als Ohrwurm und muss es immer wieder mal random zwischendurch laut sagen.