GEDICHT

ich habe größen
und kleinen
ich habe federn
und beinen
wir können uns halten
in meinem und deinem
und tönen
kann ich auch
wenn wir loslassen
sind wir immer noch da
nur der klang
wird leiser

 

BERICHT

Ich will vieles benennen, aber nicht aus Verliebtheit.

Oder wenn: aus Verliebtheit in mein Leben, in all das, was bei mir ankommt.

mit einem rücken der nicht beugt
aber rund bleibt, weich und nackt

– Jennifer de Negri

Die riesigen Karpfen im See, ich habe mich richtig vor ihnen erschrocken, das kommt davon, wenn man mit Schwimmbrille schwimmt, sie waren groß, und nah, und viele, und ich ja sehr nackt.

Du schlägst einen Tauchwettbewerb vor und bist viel länger als ich ein stilles Ei im Wasser, nur ein kleiner runder Teil deines Rückens ragt heraus, auf dem Fahrrad bei abschüssigen Straßen bist du wieder ein Päckchen, stellst die Füße überkreuz auf die Querstange und lässt dich rollen, im Bett sind wir manchmal ein gemeinsames Päckchen.

Die Spinnen überall, ich fahre jeden Strang meiner Arme ab, ich spüre die Wege zittern, meine bemalten Spinnenbeine erstrecken sich über die Stadt, fühlen und tasten, die am Fenster hat riesige Kulleraugen auf Fühlern, auf der Picknickdecke saßen die verschiedensten Varianten, eine sehr große schnelle Spinne, eine kleine grünlich schillernde, das wäre eine gute Nagellackfarbe, die Dünne als Schatten hinter dem Brennesselblatt sichtbar, eine Bauende auf deinem Balkon, als ich kurz zum Mond ging.

Die Nacht war lebendig und weich, es gab Musik und Hunde und eine Hand zum Halten, und so viele Glühwürmchen, ein erstes auf der Brücke und dann das Glück ihrer Überfülle, der ganze Wald voll tanzender Leuchtpunkte, ich konnte mich gar nicht satt sehen an ihnen.

Ich höre immer weniger Vorwürfe in dem, was andere von sich erzählen, das ist mein großes Glück dieses Sommers.

Die Kauze, wenn es denn welche waren, sie schrieen so laut, und es antwortete eins aus dem anderen Baum, etwas versetzt, etwas weiter weg, zuerst dachten wir, das sei eine quietschende Kinderschaukel, es hörte aber nicht auf und wir kamen ihnen immer näher.

In der Bank gruppieren sich drei Damen in gemusterten Gewändern um meinen spannenden Fall, ihre Gesichter dem Bildschirm zugewandt, für mich lesbar wie Comics.

Und der Asphalt quillt aus den Straßenbahnschienen heraus und landet als dunkle Maulwurfshügel daneben und wir laufen deshalb nach Hause, gehen unbeirrt durch die tropische Nacht, kaufen noch ein Eis am Späti, alles ist nah heute, und wir in all unseren Facetten; ich spüre die Wege zittern.

 

EXPERIMENTE

Updates aus den Experimenten zu meinen Lernbereichen:

Gemeinschaftsarbeit Vielleicht noch viel mehr die Gruppen, die ich bereits halte, als Gemeinschaftsarbeit, als community work begreifen – dagegen wehrt sich die spezielle Lust, hier vor Ort, in diesen Straßen, mit den Menschen in meinem Viertel etwas zu machen, wie viel mehr Mut das braucht! Wie schön das wäre.

Kunstarbeit Ich übe, mir Zeit zu lassen. Ich übe, kommen zu lassen, was da ist. Ich bereite mich auf meinen kommenden Mut vor.

Brotarbeit Ich übe, mehr meiner Intuition zu folgen und weniger einem festen Plan, sowohl im alltäglichen Tun als auch in den großen Entscheidungen, die ja aus vielen kleinen entstehen. Was könnte ich bauen, was ist eh schon fast da, wen will ich um mich versammeln, was mache ich jetzt, jetzt wo ich es ernst meine und ganz leicht nehme?

 

EINLADUNGEN

SCHREIBTAG – 20. Juli, 9 bis 17:30 Uhr
Ein gemeinschaftlicher online Arbeitstag zum fokussierten Schreiben und Besprechen unserer Schreibprojekte, zusammen mit Kathrin Bach. Mit gemeinsamen Hirnschwapps, Feedbackwerkstatt am Nachmittag und viel Raum für dich und deine Texte.

At the very least, always set aside a four-hour period once a month in which to write. This is always possible and will result in one book of poems or prose writing for each year. Then we begin to know something. – Bernadette Mayer

Hier alle weiteren Infos!

SCHREIBI-TREFF – 29. Juli, 14 bis 15:30 Uhr
Unser kostenloses monatliches online Treffen zum Austauschen mit anderen Schreibenden und Selbständigen; mit Mini-Lyrik-Workshop-Impuls von Kathrin und mir zu Beginn.

Hier mehr Infos.

 

FABRIKNOTIZEN

Keine neuen oder aktualisierte Notizen im digitalen Garten.

 

VERFLECHTUNGEN

All work moves inevitably toward other people – Catherine Lacey