GEDICHT
vielleicht kann ich nicht schlafen
weil wir so viele im zimmer sind,
auch wenn ich genau so schlafen will,
inmitten meiner freundis,
sie schnaufen sanft oder drehen sich nochmal,
die pflanze, die ich versehentlich abgeknickst hatte,
wächst am fenster still und froh aus ihrer wurzel nach,
wer trauert, schreit im schlaf oder weint am tag,
oder beides oder keines,
das kind ist unbekümmert mit unseren tränen,
es weiß, dass wir manchmal schluchzen,
wenn wir uns umarmen,
das kind wächst froh,
und dann backen wir kuchen,
zwei stück und zwei quiches,
endlich mal wieder ein backtag, sagt das kind,
morgen hängen wir die partypalme auf,
so feiere ich alleine und
überhaupt nicht alleine hinein,
… wenn du es willst, steht nun an meiner tür,
alle meine beziehungen sind eine beziehung,
mit euch fühle ich in die welt hinein,
ich erlaube mir mehr müdigkeit,
wenn ich mit mir alleine bin,
das freundi brät einen pilz,
der im park am baum wuchs, still und froh,
und nimmt mir dabei eine antwort auf,
sagt mir: es würde mich auch einfach
ein bisschen halten.
BERICHT
Ich schlafe zehn Stunden, und dann nochmal zwei, dann frühstücke ich und schlafe nochmal zwei, und der Hals ist immer noch am Umsortieren, immer noch nicht meiner, oder das ist jetzt mein Frühwarnsystem, mein Kanarienvogel.
Das Freundi hat einmal von mir geträumt mit einem Kanarienvogel, und jetzt nochmal mit einem Goldfisch, ich war in der Badewanne mit meinem kleinen Goldfisch und das Freundi saß daneben.
Ich habe zum ersten Mal bewusst vom Krankenhaus geträumt, obwohl es nun schon Wochen her ist, dass ich dort war, das Freundi war darin und wir wollten es abholen, ich kannte mich aus, die Logopädin war bei ihm und vielleicht würde es doch noch nicht rauskommen heute, ich massierte das Freundi ein bisschen, zog seine Beine lang und schüttelte sie sanft, so wie es das manchmal bei mir macht.
Aus wie viel Erschöpfung meine Woche besteht, und damit aus Enttäuschung, wäre ich nicht viel zu müde, um die Enttäuschung überhaupt richtig zu registrieren.
Ich bin so müde, als hätte ich noch nie geschlafen, sagte das Freundi neulich.
Trotzdem mache ich mich auf eine Art hörbar. Ich stehe im Wäldchen im aufziehenden Abendgewitter, das erste Mal draußen an diesem Tag, und spiele auf der Mundharmonika, übe meine single notes an einen Baum gelehnt und es tropft der Regen auf mich.
Später stehe ich in der Mittagssonne auf der Brache, gerade erst aufgestanden, und übe weiter, und manchmal schaffe ich schon klare Einzeltöne, und einmal jetzt sogar schon die erste Zeile von dem Lied, das ich dem Freundi in drei Monaten zum Geburtstag vorspielen will.
Auf der Wiese habe ich Schafgarbe gesammelt, und einen riesigen Wiesenblumenstrauß, damit ich auch hier Blumen habe, viele Blumen habe, Schönheit und Wildheit habe. Als die Blumen verwelkt waren, klingelte das Freundi und brachte mir einen neuen Strauß, hielt ihn hinter dem Rücken versteckt, aber er ragte groß und bunt heraus.
In einem anderen Traum habe ich mein Gesicht in den dichten Schnee einer schneebedeckten riesigen Tanne gedrückt.
Ich muss täglich mindestens eine Irritation benennen, nehme ich mir vor, mich noch viel mehr einbringen, ich will nicht verschwinden, das ist nicht der Weg, um an die besten Geschichten zu kommen, die besten Geschichten passieren im Fühlen.
In einem anderen Traum wollte ich mich mit dem Freundi treffen, um das Unrecht in dessen Traum zu berichtigen.
Über den Tod schreibe ich, der kam uns besuchen, der ist viele Geschichten, und ich zögere, das hier sichtbar zu machen. Aber nicht aus Angst, darüber zu sprechen, sondern weil ich mir noch nicht ganz sicher bin, wessen Geschichten das sind, die ich dann erzählen würde.
Über Arten, Abschied zu nehmen, denke ich nach, über die Herausforderung einer Trauerfeier. Dieser Versuch der Sichtbarmachung einer nicht mehr sichtbaren Person. Oder auch Hörbarmachung einer nicht mehr sprechenden Person, Stimme ist wichtig.
Forschungsfrage habe ich im Moment gar keine, oder spüre keine in mir; ich sitze in meinem Netz aus Beziehungen und spüre, wo es wackelt, wer zieht, wer sich einwickelt, wie bei der Spinne seid ihr alle mein Gehirn, mit euch fühle ich in die Welt hinein, viel mehr weiß ich gerade nicht.
EXPERIMENTE
Updates aus den Experimenten zu meinen Lernbereichen:
Kunstarbeit
Endlich die Erkenntnis, dass mein Mäandern Teil meiner Arbeit ist, also in meine Arbeitswoche gehört; ab sofort wird fix jeden Montag mäandert.
EINLADUNGEN
Morgen: SCHREIBI-TREFF – 24. Juni, 14 bis 15:30 Uhr
Unser kostenloses monatliches online Treffen zum Austauschen mit anderen Schreibenden und Selbständigen; mit Mini-Lyrik-Workshop-Impuls von Kathrin und mir zu Beginn.
Und hier der Link zum Teilnehmen:
https://us02web.zoom.us/j/86978992354?pwd=h6jwHrthCyqeFDgDpeqAvho3KSKSOz.1
Meeting ID: 869 7899 2354 | Passcode: 782696
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SCHREIBTAG – 20. Juli, 9 bis 17:30 Uhr
Ein gemeinschaftlicher online Arbeitstag zum fokussierten Schreiben und Besprechen unserer Schreibprojekte, zusammen mit Kathrin Bach. Mit gemeinsamen Hirnschwapps, Feedbackwerkstatt am Nachmittag und viel Raum für dich und deine Texte.
Denn, wie die tolle Lyrikerin Bernadette Mayer schreibt: At the very least, always set aside a four-hour period once a month in which to write. This is always possible and will result in one book of poems or prose writing for each year. Then we begin to know something.
Und das ist genau das Schöne an den Schreibtagen, dass wir da gemeinsam anfangen, Sachen zu verstehen :)
FABRIKNOTIZEN
Keine neuen oder aktualisierte Notizen im digitalen Garten.
VERFLECHTUNGEN
Schon wieder dieses Gedicht:
How will it be
to lie in the sky
without roof or door
and wind for an eye
Und diese Zeilen aus einem alten Gedicht von mir:
& i also
keep on falling
in love with my friends
their generosity
the way they carry the heaviness
of the summer sky
und:
darf ich dir was über mich erzählen? ich finde dich schön.
und dann übe ich noch im Bett ein bisschen Mundi und jetzt sollte ich dringend schlafen aber das Leben ist einfach zu interessant und die Nacht zu warm und die Mückenstiche jucken usw.